Die Verbannung des Vampirs
aus der Wissenschaft
"Von 1730 - 1735 war von nichts
anderem die Rede als von Vampyren,
je mehr man verbrannte, desto mehr tauchten auf"

Wahre Berichte
- Der Chronist William von Newburgh berichtet aus dem 12. Jahrhundert
von einem Mann aus Northumberland, der seine
Frau beim Flirt mit einem Nachbarn beobachtet und dabei vom Dach
fällt und sich das Genick bricht. Er kehrt trotz christlichem
Begräbnis wieder und verursacht eine Pestepidemie, die erst
wieder aufhörte, als sein Grab geöffnet wurde (er war
voller Blut) und er selber gepfählt war.
- 1337 wurde in einem Dorf namens Blow ein Hirte
bekannt, der Nachts die Dorfbewohner nicht in Ruhe lies. Gemeinsam
haben sie ihn ausgegraben und gepfählt. Doch mit der Ruhe
war es noch lange nicht soweit, denn der Hirte terrorisierte die
Dorfbewohner weiterhin. Abermals gruben sie ihn aus und verbrannten
den Leichnam, danach kehrte der Hirte nicht mehr zurück.
- 1345 starb eine Zauberin in Dúchaz,
nach ihrem Tod suchte sie die Dorfbewohner in tierischer Gestalt
heim und tötete sie. Deshalb machte man kurzen Prozess und
die Dorfbewohner gruben ihr Grab erneut aus. Die Frau wurde auf
dem Scheiterhaufen gefesselte und kurz vor dem anzünden gepfählt.
Doch sie hatte andere Pläne, riss sich den Pflog aus der
Brust und floh in Gestalt des Windes.
- 1591-1592 wurde ein Vampir in Breslau bekannt.
Schuhmacher starb am 22.09.1591 und jagte seine Opfer bis zum
18.04.1592. Seinen Opfern fügte er diverse Würgemale
und weitere Flecken zu. Die Dorfbewohner gruben den unverwesten
Leichnam aus und verscharrten seine Überreste auf ungeweihter
Erde. Doch das übel hörte nicht auf und so wurde er
am 07. Mai erneut ausgegraben und von einem Henker enthauptet.
Die Hände und Füße wurden ihm abgehackt und sein
Herz herausgeschnitten. Seine Körperteile wurden einzeln
auf einem Scheiterhaufen verbrannt, die Asche anschließend
in den nahen Fluss gestreut.
- 1701 fanden die Dorfbewohner einen Bauern in Mykonos,
dass in Griechenland liegt, tot auf seinem Feld. 2 Tage später
begann der Bauer bereits sein treiben als Untoter und besuchte
Nachts seine Mitmenschen. 9 Tage nach seinem Tod grub man den
Leichnam aus und riss ihm das Herz aus der Brust. Anschließend
wurde der Bauer verbrannt.
- Ein bekannter Vorfall im 18. Jahrhundert von Vampirismus war
Peter Poglojowitz [Plogojewitz]. Es geschah
in einem kleinen ungarischen Dorf namens Kisolova (Kisilova, Kislova).
Neun Dorfbewohner hatten zu Protokoll gegeben, das sie 2 ½
Monate nach dem Tod von Peter Poglojowitz [1725] von ihm im Schlaf
gewürgt worden waren. Alle neun starben kurz darauf. Es kam
zur Exhuminierung, bei der sich ein grauenhaftes Bild zeigte:
Der Leichnam zeigte keine Verwesungserscheinungen. Haare, Bart
und Nägel scheinen gewachsen, und seine Lippen sind mit frischem
Blut befleckt. Außerdem strömte der Körper keinen
Leichengeruch aus. Daraufhin verbrannten die Dorfbewohner den
Leichnam.
- Weiterhin genoss ein Soldat die Gastfreundschaft eines Bauers
in Haidamac. Während des Abendmahls kam
ein Fremder herein, der ungefragt mit der Familie aß. Am
nächsten Tag war der Bauer tot und der Soldat erfuhr, dass
der Fremde der, seit zehn Jahren verstorbene Vater des Bauern
war. Nach einem Bericht bei seinem Regimentskommandanten Graf
Cabrera wurde das Grab geöffnet. Der Verstorbene war gänzlich
unverwest, und auch zwei weitere Vampire wiesen keine Verfallsmerkmale
auf (seit 30 und 16 Jahren tot). Alle drei wurden gepfählt,
geköpft und verbrannt.
- In Kucklina besuchte ein Vampir 2 Brüder.
Der eine Bruder wurde von diesem in den Hals gebissen und verstarb
3 Tage später. In der Folgenacht nach seinem Tod suchte er
seine Ehefrau im Bett heim. Sie berichtete, dass sein Samen sehr
kalt gewesen sei. 40 Tage später wurde ein Knabe geboren.
Dieser Knabe hatte kein Glied und ist innerhalb von 3 Tagen "wie
eine Wurst" zusammengerunzelt.
- 1730-1732 wurde Stephen Huber als Vampir bekannt. Er lebte in
Tschechien, im Dorf Treautenau (Trautenau, Tutnov).
Nach seinem Tod fiel er sowohl Tiere als auch Menschen an und
tötete diese. 5 Monate nach seiner Beerdigung wurde er von
den Dorfbewohner ausgegraben und seine unverweste Leiche enthauptet
und verbrannt. Seine Asche wurde im Wind verteilt. Anschließend
gruben die Dorfbewohner die angrenzenden Gräber aus, alle
unverwesten Leichen wurden ebenfalls verbrannt, die normalen Leichen
wieder beerdigt.
- 1732 ist ein anderer bekannt gewordener Fall von Vampirismus
herausgekommen, der des Seben Arnold Paole aus
Medvedja. Er war auch der Auslöser für die wissenschaftliche
Beschäftigung mit Vampiren. Im Frühjahr 1727 kam Arnold
Paole von seinem Militärdienst in Kostartsa zurück nach
Hause in Medvedja, in der Nähe von Belgrad. Er kaufte sich
ein bisschen Land, baute ein Haus und nach einiger Zeit verliebte
er sich in die Tochter des Landbesitzers, dessen Land an seines
grenzte, und die beiden heirateten im selben Jahr. Arnold erzählte
seiner Frau, dass er große Angst davor hätte, frühzeitig
zu sterben. Zu seiner Militärzeit war er in Griechenland
stationiert, wo der Aberglaube besagte, dass der Tod jene ereilt,
die selber töten und zwar in Form eines Vampires. Auch erzählte
er seiner Frau, dass er dort von einem Untoten Wesen besucht wurde,
er aber das Grab dieses Wesens aufgesucht und den Leichnam verbrannt
hätte, so wie es dort üblich war. Dieses Erlebnis hatte
ihn aber so stark beeinträchtigt, das er das Militär
verlies und nach Hause zurückkehrte.
Kurz nach seiner Hochzeit stürzte Arnold von einem Heuwagen
und wurde bewusstlos ins Haus getragen. Er musste wohl innere
Verletzungen gehabt haben, denn er starb kurz darauf. Er wurde
auf dem städtischen Friedhof begraben. 20-30 Tage später
wurde er von mehreren Personen im Ort gesehen, immer bei Nacht.
Die Berichte enthielten keinen Horror oder Angst, bis einige Wochen
später all jene Personen, die behaupteten Arnold nach seinem
Tod gesehen zu haben, tot aufgefunden wurden ohne, dass die Todesursache
klar war. Bis schließlich 40 Tage nach seinem Tod eine kleine
Gruppe Männer, die aus 2 Ärzten, 2 Armeeangehörigen
und einem Priester bestand, sich entschlossen das Grab Arnold
Paoles zu öffnen und seinen Leichnam zu exhumieren.
Was sie vorfanden war mehr als erstaunlich. Sein Leichnam war
in keinster Weise verwest, er lag auf der Seite, seine Haare und
Fingernägel waren nachgewachsen. Doch der Beweiß das
Arnold ein Vampir war, war das frische Blut, welches sich in seinen
Mundwinkeln befand. Die Gruppe von Männern pfählte Arnold,
wobei die Leiche einen durchdringenden Schrei ausstößt
und warmes Blut aus der Wunde schießt.
Auch seine vier Opfer wurden exhumiert, gepfählt, verbrannt
und in geweihter Erde beigesetzt. Sechs Jahre später brach
in dem Dorf Anämie aus und mehrere Dorfbewohner starben.
Man zögerte nicht lang und exhumierte mehrere Leichen. Manche
davon zeigten nach drei Monaten immer noch keine Verwesung.

Wissenschaftliche Untersuchungen
Am 26.01.1732 unterzeichneten mehrere Offiziere aus Belgrad, in
Meduegya, einen Medizinischen Bericht, dabei wurden 16 Leichen untersucht.
5 davon [2 Mütter mit ihre Kinder und einen Knecht] waren im
normalen Zustand der Verwesung, alle anderen im "Vampir-Stand".
Johannes Fluchinger schrieb damals das Protokoll.
"Von 1730 - 1735 war von nichts anderem
die Rede als von Vampyren,
je mehr man verbrannte, desto mehr tauchten auf", spottete
Voltaire später.
Weiterhin gab es zwei wichtige Schriften:
Zum einen von Diakonus Michael Ranft sie erschien
1732 in Leipzig mit dem Titel: "Traktat von dem kauen und schmatzen
der Toten in Gräbern" Sie führte detailliert aus,
wie die wahre Beschaffenheit der ungarischen Vampire und Blutsauger
sei. Die zweite Schrift erschien 1751 und war vom Hochwürdigen
Herrn Augustin Calmets.
"Gelehrte Verhandlung von denen so genannten
Vampiren
oder zurückkommenden Verstorbenen in Ungarn, Mähren etc.".
Er wollte verhindern, dass die christliche Kernlehre [Auferstehung
nach dem Tod am Jüngsten Tag] erschüttert wurde. Sein
oberstes Leitmotiv in seiner Beweisführung ist die Widerlegung
der These, dass Tote aus eigenem Antrieb oder auf Geheiß Satans
ihre Gräber verlassen könnten. So heißt auch das
erste Kapitel:
"Vom Tode auferwecken kann niemand als Gott
allein!"
1770 schrieb Voltaire:
"Die wahren Sauger wohnen nicht auf Friedhöfen,
sondern in wesentlich angenehmeren Palästen... Die persischen
Könige, heißt es, waren die ersten, die sich nach ihrem
Tod konservieren ließen. Fast alle heutigen Könige folgen
ihnen darin; aber die Mönche essen ihre Diners und Soupers
und trinken den Wein. Demnach muss man eigentlich nicht die Könige
als Vampire ansehen. Die wirklichen Vampire sind die Mönche,
die auf Kosten der Könige und des Volkes essen."
Ende des 19. Jahrhundert wurde eine Geschichte von Augustus
John Cuthbert Hare überliefert. Eine Schwester von
drei Geschwistern, die einen Herrensitz in Cumberland namens Croglin
Grange gepachtet hatten wurde im ersten Sommer von einem seltsamen
Wesen in den Hals gebissen, woraufhin die Geschwister für eine
Zeit in die Schweiz gehen, um den Schock zu überwinden. Etwas
später als es ihnen wieder besser ging drängte der Bruder,
dass sie wieder zurück kommen sollten. Kurze Zeit nach ihrer
Rückkehr kehrte das Wesen wieder zurück und versuchte
das Mädchen wieder zu beißen. Doch einer der Brüder
schoss dem Wesen ins Bein und sie folgten der Blutspur bis zu einer
Gruft. Am nächsten Tag öffneten sie die Gruft und fanden
mehrere beschädigte und einen unbeschädigten Sarg. In
diesem lag der Vampir, der verbrannt wurde.
Die Art und Weise der Exkommunikation aus der orthodoxen Kirche
bestärkte den Vampirglauben, denn über den Exkommunizierten
wurde der Fluch gesprochen: "... und die Erde wird Deinen Leib
nicht empfangen!" Der Körper werde - als Zeichen des Bösen
- "unversehrt und ganz" bleiben, die Seele keinen Frieden
finden.
Orthodoxe Christen, die zum Katholizismus oder zum Islam übertraten,
waren dazu verdammt, über die Erde zu wandern und nicht in
den Himmel zu kommen. (So gab der historische Dracula Vlad Tepes,
als er gegen Ende seines Lebens zum römisch-katholischen Glauben
konvertierte, "das Licht der Orthodoxie" auf und "erhielt
die Finsternis" der Ketzerei; damit war sein Schicksal besiegelt:
Er wurde ein Untoter - ein Vampir.)

Aber warum waren gerade im 18. Jahrhundert
die Vampire so interessant??
Das kam bestimmt nicht nur wegen der Auffindung der
Leichen. Viel mehr waren es die Mediziner, die mit ihrer rationalen
Erklärungsversuche und ihren neuen Erkenntnisse in der unverwesten
Leiche eine Herausforderung sahen. Zum anderen die Dogmatiker des
christlichen Glaubens, die darin eine blasphemische Umkehrung einiger
ihrer wesentlichen Lehrmeinungen sehen mussten. Doch was ist die
"Erklärung" für das Weiterleben des Körpers
nach dem Tod?? Volaire drückte die Problematik in einem Satz
aus:
"Die Schwierigkeit besteht darin, in Erfahrung
zu bringen,
ob hier die Seele oder der Körper des Toten fraß."
Schließlich kam doch noch eine Erklärung,
es ist eine unbekannte Krankheit. Das Besondere dieser Krankheit
und Seuche war
"eine anhaltende Resistenz der Toten gegen
den Zerfall und ein akutes Leiden der Lebenden, dem auch die phantastische
Heimsuchung durch den Vampir als Symptom der verstörten Einbildung
zugerechnet wird."
Die Trennlinie zwischen dem Heimsucher und dem Heimgesuchten
ist somit der Tod. Aber auch diese Theorie wurde bald als unmöglich
dargestellt, denn können Lebende und Tote an der gleichen Krankheit
leiden??
Am Schluss blieb nur noch eine Theorie offen:
der Astralleib
Der Mensch besitzt neben seinem Körper eine energetische Aura,
den Astralleib. Dieser Leib ist es, der weiterlebt, denn er braucht
viel längere Zeit, um zu verwesen (daher kommt auch die Vorstellung,
dass der Vampir keinen Schatten hat, denn Schatten und Astralleib
werden oft gleichgesetzt). Während der Körper zu Humus
wird und die Seele zu Gott auffährt, verweilt der Astralleib
auf der Erde.
Doch auch diese Theorie hatte ihren Hacken: Sie stellte eine Verletzung
des göttlichen Schöpfungsplans und des göttlichen
Wiedererweckungsmonopols dar. An einer solchen Interpretation konnte
keine der christlichen Kirchen Gefallen finden, genauso wenig wie
die Aufklärer. Für die Bevölkerung stand fest: Es
war der Beitrag des Teufels. So blieb nur noch die Frage:
"Ist es widernatürliche Ursache oder
Gottes Wille??"
1755 veranlasste die österreichische Kaiserin
Maria Theresia einen "Vampir-Erlass", in diesem
wurde der Glaube an Vampiren verboten.
Der Glaube verschwand zwar aus der Wissenschaft,
aber in der Literatur blühte er auf.
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